Wozu Dynamic Semantic Web?*
* Schaffen Sie mit semantischen Technologien den Sprung von der Verarbeitung von Daten zur Verarbeitung von Wissen?
Angele: Ja, denn semantische Applikationen "verstehen" Informationen. "Verstehen" setzt eine gemeinsame Sprache voraus, um konzeptuelle und terminologische Verwirrungen, Unklarheiten und Mehrdeutigkeiten auszuschließen. Und genau das lässt sich mit semantischen Technologien erreichen. In einer Ontologie werden die für einen Anwendungsbereich relevanten Begriffe und deren Zusammenhänge exakt definiert. Die Ontologie beschreibt ein allgemein anerkanntes Verständnis dieses Anwendungsbereichs, das alle Personen und Anwendungen gemeinsam teilen und verwenden.
Ist es das, was wir mit dem DSW wollen?
Es soll ein Framework für ein Dynamic Semantic Web entwickelt werden, das den Charakteristika des WWW entspricht und nicht bloss auf die Exteriorisierung von Datenbank Systemen aus ist.
Das WWW wird hier nicht nur als ein offenes System mit den Eigenschaften distribuiert, dynamisch und quantitativ massiv verstanden (Hendler), sondern zusätzlich als ein global-kulturelles, komplexes sich selbst organisierendes und selbst-modifizierendes Medium artifizieller Natur. D.h. auch, dass das WWW nicht vorgegeben (vorhanden) ist, sondern sich nur einer Interpretation in seiner Zuhandenheit erschliesst.
Die bestehenden Methoden konzentrieren sich auf die Vorhandenheit der Daten im WWW, DSW hat sich der Herausforderung der prinzipiellen Deutbarkeit des WWW, d.h. seiner Zuhandenheit zu stellen.
Daher ist Wissen (knowledge) und Bedeutung (meaning) in einem WWW als kulturellem System grundsätzlich nicht auf Eindeutigkeit, Disambiguität und Dekontextualisierung zu reduzieren. Dies ist möglich einzig für sehr spezielle Erfordernisse.
DSW hat somit zum Ziel, Mechanismen zur Handhabung, Implementierung, Formalisierung und Realisierung von ambiguen, kontextbezogenem und vieldeutigem Wissen, das nichtsdestotrotz einer machinalen Verarbeitung zugänglich ist, anzubieten.
Es sollen Methoden zur Erstellung komplexer evolutiver Ontologien entwickelt werden, die den Erfordernissen etwa der folgenden Kriterien gerecht werden können.
Aus der komplexen Datenvielfalt, realisiert in heterogenen Ontologien, einer Organisation, eine vertikal strukturierte einheitliche Ontologie zu generieren, die dann mit den Methoden des Semantic Web verarbeitet werden können, stellt ein grosses und weitgehend ungelöstes Problem dar. Die Effektivität einer Implementierung misst sich jedoch auch an der Effektivität der Aquisition ihrer Daten.
Eine zusätzliche horizontale Organistionsform kann hier aus Engpässen einer aufgezwungenen Hierarchisierung entgegen wirken.
Distribuierte Inferenzmechanismen lassen sich aufgrund der polykontexturalen Logik ohne Komplikationen direkt realisieren. Je Kontextur bzw. je Modul, lässt sich eine eigene und autonome Deduktionsregel einführen. Dies geht weit hinaus über klassische Ansätze der Parallelisierung und der durch Mehr-Sorten-Logiken fundierten Distributionen.
Reflektionalität ist der polykontexturalen Architektonik, sowohl auf logischer wie ontologischer Ebene, inhärent. Entstammt sie doch dem Bestreben, eine Theorie und einen Apparat der Reflexionsformen zu realisieren.
Wiederverwendbarkeit erhält durch die tabulare Anordnung der Module eine neue Dimension, die durch die vertikale Konzeption allein nicht realisiert werden kann.
Es geht bei dem DSW Projekt, trotz des fundamental neuen Ansatzes, nicht darum, Bestehendes in seiner konkreten Definition und Funktionalität zu kritisieren. Oder gar als falsch aufzuweisen. Einfach deswegen nicht, weil der PKL-Ansatz einzig und allein versucht, von anderen, eventuell allgemeineren Voraussetzungen, jedoch mit weit weniger ausgereiften Technologien, an eine gemeinsame Problematik heranzugehen.
Es geht aber auch nicht darum, mit den bestehenden Ansätzen, die sich auf spezifische Fragestellungen spezialisiert haben, wie etwa ontoprise, in Wettlauf oder gar Konkurrenz zu treten.
Web Ontologien bestehen aus Modulen, die vertikal organisiert werden und somit eine Dynamik der Evolution, Adaption und Erweiterung im Rahmen einer systematischen Hierarchie ermöglichen.
DSW erweitert dieses Konzept der Modularität dahingehend, dass alle, auch die Basis-Module, horizontal organisiert werden können. Damit entsteht ein System ontologischer und logischer Parallelität und Nebenläufigkeit, das vertikale Interaktion zwischen den Ontologien und deren Modulen ermöglicht.
Die horizontale Organisation ontologischer Module soll mit den Methoden der polykontexturalen Logik realisiert werden. Die Polykontexturalitätstheorie stellt logische und ontologische Methoden der Vermittlung und Distribution modularer Systeme bereit.
Dabei kann jeder Modul innerhalb einer horizontalen Organisation selbst wiederum vertikal hierarchisch strukturiert sein. Damit ist ein flexibler und kontextbezogener Wechsel zwischen der horizontalen und der vertikalen Funktionalität gewährleistet.
Die Möglichkeit des Wechsels zwischen horizontaler und vertikaler Organisiertheit, oder in a.W. zwischen Hierarchie und Heterarchie, stellt die Grundstruktur der Dynamik des DSW dar. Dieses Verständnis von Dynamik stellt ein Novum in der Konzeptionalisierung und Implementierung von logischen und ontologischen Systemen dar.
Die konkrete Realisierung einer Implementierung von DSW hat sich mit den sich entwickelnden Methoden und Programmiersprachen des Semantic Web produktiv kritisch auseinander zu setzen und Strategien der Erweiterung, geleitet durch die Ergebnisse der polykontexturalen Logik- und Ontologie-Forschung, zu entwickeln.
Damit ist, trotz der Novität des Ansatzes des DSW, Anschluss und Vergleichbarkeit, aber auch Verwertbarkeit des Bestehenden gewährleistet. Denn wenn Module, die in sich vertikal organisiert sind, in eine Distribution und Vermittlung horizontaler Art gebracht werden, lassen sich die Konzeptionen, Methoden, Formalismen und Techniken übertragen. Die vertikalen Methoden vererben sich, wenn auch ev. in modifizierter Form, in die horizontale Struktur. Insofern braucht nicht alles neu erfunden zu werden, um das Projekt des DSW zu realisieren.
Eine tabulare Organisation ontologischer und logischer Module eröffnet automatisch strukturelle Vorteile einer linear organisierten Struktur gegenüber.
Horizontal verteilte Module und Ontologien unterstützen Transparenz aufgrund ihrer relativ autonomen Modularität, die eine Komplexitätsreduktion darstellt.
Horizontal verteilte ontologische und logische Module unterstützen Flexibilität aufgrund ihrer Möglichkeit zwischen vertikaler und horizontaler Organisation zu wählen.
Horizontal verteilte Module und Ontologien unterstützen durch ihre Verteilung über die zwei Dimensionen ihrer Positionierung.
Horizontal verteilte Module und Ontologien unterstützen die Effektivität sowohl ihrer Etablierung wie auch der Abläufe ihrer Prozesse, dank ihrer architektionalen Parallelistät.
Insbesondere werden die Prozesse der Navigation, Negotation und Mediation von und zwischen vertikal und horizontal verteilten Ontologien aufgrund der polykontextural verteilten Organisation unterstützt.
Navigation zwischen Modulen erhält eine neue Dimension, wenn diese in ihrem Spielraum nicht mehr eingeschränkt wird durch eine übergeordnete, allen gemeinsame Basis-Ontologie.
Mediation von Modulen ist in vertikalen Organisationsformen äusserst beschränkt und setzt eine allen Modulen gemeinsame Basis-Ontologie voraus. In diesem Sinne handelt es sich bei der vertikalen Mediation letztlich um eine Form der Subsumtion, die nicht in der Lage ist, Fremdes zu akzeptieren und mit Fremdem zu interagieren.
Wenn auch DSW auf machinelle Assistenz setzt, ist immer noch genug Raum für Verhandlung zwischen menschlichen Subjekten. Diese Negotationen können sich nun aber auch auf formale Modelle der Vermittlung stützen und sind nicht der reinen Willkür bzw. dem blinden Vertrauen (Trust) ausgeliefert.
DSW soll Grundprobleme der Evolution des WWW und der Semantic Web Ontologien aufweisen und zu polykontexturalen Lösungen verhelfen. Die bestehenden Methoden der Handhabung von Evolution von Ontologien sind auf die vertikale Organisation ihrer Methoden beschränkt.
Zusätzlich zu Wiesbaden, Daniel Inc. und CNLPA ist involviert ThinkArt Lab Glasgow in Zusammenarbeit mit dem Computer Departement und dem Center of Critical Media Studies des Goldsmiths College, University of London.
In Planung: Gründung von Creative Industries Lab, London, Singapore und Kontakt zu McLuhan Institute, Maastricht, NL.
Die Manpower hängt von den Kontakten und den möglichen Finanzierungen ab.
In einer ersten 3 Jahresplanung soll im ersten Jahr eine Konsolidierung der bestehenden Forschungsarbeiten geleistet werden, die in den folgenden zwei Jahren zu einem ausgereiften Prototypen führen sollen.
Die Emanzipation von den Methoden und Formalismen des Semantic Web in Richtung auf ein polykontextural fundiertes DSW kann nur Schrittweise geschehen.
Ein erster Schritt ist die kritische Aufarbeitung der bestehenden Tendenzen der Implementierung des Semantic Web bezogen auf Ontologiebildung, Web-Logiken und Impelementierungssprachen.
Ein weiterer Schritt ist die Abgrenzung von diesen Methoden und die Entwicklung von Erweiterungen der bestehenden Konzeptionen und Methoden des Semantic Web.
Dies soll in einem vorläufig letzten Schritt zur Entwicklung eines Prototypes einer DSW Implementierung führen.
Angesichts der wachsenden globalen kulturellen Dominanz des WWW soll gegen einen reduktionistischen und technizistisch verstandenen und staatlich implementierten Begriff von Bedeutung und Wissen angegangen werden. Damit soll die relative Adäquatheit reduktionistischer Methoden für beschränkte industrielle, administrative und militärische Zwecke nicht geleugnet werden.
Das WWW ist hier jedoch als ein kulturelles und globales Medium verstanden. DSW versteht sich daher als ein nicht durch den Eurozentrismus reduzierte und auf Aristotelischer Metaphysik basierende Strategie der Eröffnung eines globalen kulturellen WWW.
Es soll mit dem DSW Denkmodelle und Verhaltensstrategien im Umgang mit dem WWW zur Hand gegeben werden, die eine Verabschiedung vom Aristotelismus in der Ontologie und Logik wie auch der Fixierung des Machinalen auf das Turingmodell zu unterstützen in der Lage sind.
Es kann nicht übersehen werden, dass nach dem Sieg der technizistischen Denkweise in der und durch die Computertechnologien nun eine entsprechende Vereinnahmung von kulturellen Schichten des Wissens durch das internationale Semantic Web Projekt in Gang gesetzt wurde. Dagegen sind die Bildungseinrichtungen noch gänzlich mit der Adaption an den Digitalismus und seiner Multimedia-Kultur beschäftigt. Die Hilflosigkeit dem Phänomen gegenüber zeigt sich leider auch in der sonst hervorragenden kritischen Arbeit zum Semantic Web des McLuhan Institute, Maastricht.
*Die vorliegende Arbeit ist ein Bericht zur Zielfindungsphase eines Joint Venture Projects mit der Firma DANIEL, Inc., Wiesbaden, Deutschland
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