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12 Existenziale Fragetechniken (2003)

Nach dem theoretischen Abriss der Subjektivitätskonstruktionen fragt es sich, wie eine Operationalisierung in Richtung auf lehr- und lernbare Fragetechniken vollzogen werden kann.

Leitbegriffe

Ich, Du, Subjekt, Subjektivität, Selbst, Selbstheit, Existenz, Ek-sistenz

12.1 Fragetypen

Es lassen sich Fragetypen bezüglich ihrer Ausrichtung auf das Erfragte unterscheiden:

1. Sachbezogene

2. Personenbezogene

3. Systembezogene

4. Existenzbezogene

Existenzbezogene Fragen fokussieren auf den Selbstbezug des Subjekts. Wie versteht sich das Subjekt selbst?

Selbst des Selbstbewusstseis

Selbstheit des Daseins

Existenz bzw. Ek-sistenz des Daseins

Eine Typologie gibt Mitterauer indem er die verschiedenen Selbstthematisierungen des Subjekts angibt.

Ich als Ich: Selbstreferenz

Ich als Es : Autoreferenz

Ich als Du: Heteroreferenz



Der volitive Operator der Selbst-Akzeption (S-A)

Dieses Modell Mitterauers thematisiert nicht so sehr die Existenz des Daseins als vielmehr die Modi der Subjektivität eines Subjekts sich selbst und der Welt gegenüber.

Die Existenz des Daseins wird eher thematisch, wenn wir nach der reinen Selbstbeziehung des Subjekts zu sich selbst fragen. Hier kommt die Sprachform "Ich als mich selbst" zum tragen. Diese soll als Leitfaden der Elizitierung des Selbst und der Existenz dienen. Zu fragen ist also noch dem "Ich", dem "mich" und dem "selbst" in der Bezüglichkeit des Subjekts auf sich selbt.

Die "Ich mich selbst"-Formel ist neutral bezüglich Volition und Cognition, oder Selbst-Deskription, -Akzeption, -Interpretation und -Rejektion im Sinne Mitterauers.

12.1.1 Elizitieren des Chiasmus

Existenz als im Modus "Ich mich selbst" lässt sich nicht direkt erfragen, denn der reine Selbstbezug ist weder sach-, personen-, noch systembezogen. Es fehlt somit die nötige Inhaltlichkeit für eine direkte Frage. M.a.W., die Fragerichtung löst sich schrittweise von ihrer Fundiertheit in den Wahrnehmungen, d.h. das Repräsentationssystem wird soweit wie möglich ausgeklammert bzw. neutralisiert.

Eine effiziente und flexible Fragetechnik bilden die DiamondStrategien. Diese werden mit der Absicht die Existenz zu erfragen mit irgendeiner Sach- oder Personen- oder System-bezogenen Problematik in Gang gesetzt.

Die Befragungsausrichtung konzentriert sich allerdings nicht auf die Sach-, Personen- und Systembezogenen Aspekte, sondern utilisiert diese, um im "Milieu" dieser Fragen, die Existenzrelation zu thematisieren. Auf diesem Weg soll der Diamond und Chiasmus von( Ich/mich)-selbst erlebbar gemacht werden.

Diese Ausrichtung der Befragung macht sichtbar, wie der Chiasmus der Existenzbeziehung bisdahin durch den Klienten realisiert wurde. Dies kann als Elizitieren des Chiasmus bezeichnet werden. Welche Relationen des Chiasmus (Ordnungs-, Umtausch- und Koinzidenzrelation) betont und welche verborgen bleiben wird aufgedeckt. Ebenso, welche Komplexität des Chiasmus aufgespannt wird.

12.1.2 Selbst-Störungen als ungesättigte Chiasmen

Störungen der Selbstbezüglichkeit des Selbst lassen sich als unvollständige Chiasmen, als nicht gesättigte oder als nicht vollständig vollzogene Chiasmen verstehen.

Das Diagramm "Beispiele aus dem System der Chiasmen"gibt einen Einblick in die Möglichkeiten der Realisation von Chiasmen.

Harmonie als vollständiger und balanzierter Chiasmus.

Motivationsformen, Wunsch-Strukturen aber auch Zwänge als unvollständige Chiasmen.

Ich-Spaltungen, Ich-Entwürfe, Selbst-entwürfe als Interpretationen des Objekt/Positions-Chiasmus.

Walter Mitterauer und Prinz haben in den 70ern auf der Basis der Subjekttheorie Günthers eine Reihe Arbeiten zur Psychotherapie und Psychoanalyse (Metatheorie) geliefert, die hier nochmals rezipiert und in das Schema der Chiasmen situiert werden können.

Fixierung auf die Umtauschrelation: Dysphorie

Mitterauer schreibt: Ein Patient (22, Scharfetter 1976, S. 26) schildert ergreifend, wie einem zumute ist, wenn man sich in einer Welt von vielen Umtauschverhältnissen" (Unentscheidbarkeit in der Polyvalenz) befindet:

...es ist ein großes Durcheinander in mir ... wo ist meine Nase, was ist mit meinem Mund ... Mein rechter Arm? Ich weiß nicht mehr, was rechts und links ist. Ich weiß nicht genau, wo mein linkes Bein ist. Rechts bin ich ein Mann, links bin ich eine Frau. Rechts bin ich mein Vater, manchmal meine Mutter. Blut habe ich nur das halbe von mir, das andere ist von einem Mann oder einer Frau ... Ich habe nur die halbe eigene Meinung, das andere ist von anderen, von Verwandten, von Stimmen. Das ist ein großes Durcheinander im Kopf und Körper ... auch der Magen und der Hals drehen sich."

Offensichtlich realisiert der Klient einzig, allerdings in aller Konsequenz, eine Umtauschrelation innerhalb seiner chiastischen Verfasstheit. Die anderen Relation verbleiben im Hintergrund und sorgen dafür, dass er überhaupt überleben kann. Denn, etwa Nahrung zu sich nehmen, ist durch eine Ordnungsrelation geregelt und nicht durch eine Umtausch- oder Koinzidenzreleation. Wer sich etwa selber aufzuessen beginnt, fixiert sich mit der Koinzidenzrelation bzgl. Körper und Nahrung.

Ein harmloseres Beispiel für eine Fixierung auf die Umtauschrelation ist das Verhalten der Polarity Responder. Diese müssen immer dann, wenn sie kommunikativ angestossen werden, die Gegenposition des Gegenüber einnehmen, um dann dort in aller Regel zu verharren bis zur nächsten Möglichkeit eines Positionswechsels. Dem Verharren eintspricht dann wohl eine Koinzidenzrelation als Mechanismus der Fixierung auf den einen Pol.

Die Beschreibung des Durcheinanders bezieht sich auf das Verhalten der Person aufgrund personenbezogener Attribute. Hier ist diese Fülle an person- und sachbezogenen Aussagen auf die Verfasstheit der Subjektivität bzw. des Selbst des Klienten zu fragen und nicht auf ihre Inhaltlichkeit hin. Eine existenzialanalytische Befragung muss somit hinter die Fülle der chaotischen Aussagen fragen. Ein Leitfaden dazu bieten die DiamondStrategien bezogen auf den verborgenen Chiasmus des Selbst.

Fixierung auf die Ordnungsrelation: Zwangsneurrose

Fixierung auf die Koinzidenzrelation: Paranoia

12.1.3 Kommunikationsformen und ihre Störungen

Die Selbstbeziehung des Subjekts lässt sich exemplarisch an einem einfachen Chiasmus darstellen. Damit ist jedoch die für eine Komminikation notwendige Ich-Du-Beziehungnoch nicht gewährleistet. Die Selbstheit des Subjekts als Selbstbezüglichkeit verbleibt seinem Chiasmus verfangen. Dieser bietet noch keinen Raum für ein anderes Subket als Du an. Diese Einräumung des Anderen ist vom Standpunkt einer chiastischen Darstellungsmethode erst gewähleistet, wenn der Chiasmus als Ganzer in seiner Vierer-Struktur über verschiedene Orte verteilt wird. Denn jedem einzelnen Subjekt als Selbst ist minimal ein vollständiger Chiasmus zuzugestehen. Je nach der Komplexität dar Kommunikation zwischen Ich- und Du-Subjektivität müssen entsprechende chiastische Strukturen realisiert werden.

Dieses erweiterte Modell der Kommunikationsformen bietet nun die Möglichkeit entsprechende Fragemethoden zur Elizitierung der jeweiligen konkreten Realisation der Kommunikation und Interaktion und dem jeweiligen Selbstverständnis der Subjekte bzgl. ihrer Subjektivitätsstruktur zu erfragen.

Damit ist ein Leitfaden gegeben, Kommunikationsstörungen und -Stärken aufzudenken.

Raumung und Zeitigung

Der wesentliche Unterschied zur Existentialanalyse im Sinne Heiddegers und etwa Binswangers besteht darin, dass sie die Zeit als Leitfaden nehmen. Bei Binswanger auch das "Nehmen-bei-etwas" also die Als-Funktion sach- und personenbezogen. Heidegger und seine Nachfolger fragen nach der zeitlichen Verfasstheit des Daseins, danach, wie das Dasein sich zeitigt, seine Zeitlichkeit realisiert. Entsprechend lässt sich das Dasein nach seiner Raumung befragen.

Es scheint, dass der Chiasmus ursprünglicher angelegt ist, da er den Mechanismus von Raumung und Zeitigung allererst ermöglicht.

Ähnliches findet sich beim späten Heidegger im Text "Zeit und Sein" wo das Geviert der Gabe Zeit und Sein vorangeht.

12.2 Ein philosophischer Leitfaden zur Frage nach der Existenz

Damit zeichnet sich eine Antwort ab auf die Frage,..., inwiefern jemand sich in seinen praktischen Ja/Nein-Stellungnahmen - in seinem 'ich kann -' - zu sich verhält. Die Antwort lautet: nicht indem das Subjekt sich selbst zum Objekt wird, sondern indem es sich zu seiner Existenz verhält." (Tugendhat 1979, 38)

Daß ich mich voluntativ-affektiv zu meiner Existenz verhalten kann, gründet darin, daß die Proposition, zu der ich mich dabei verhalte, nicht das Faktum ist, daß ich existiere, sondern die bevorstehende Existenz und das heißt die (praktische) Notwendigkeit, daß ich zu sein habe, und in eins die (praktische) Möglichkeit, zu sein oder nicht zu sein bzw. so und so zu sein oder nicht zu sein." (Tugendhat 1979,189)

Die Unterscheidung zwischen dem Aktor als Faktum und dem Aktor als Existenz wird hier mit den zwei Modi der Identität, der Gleichheit und der Selbigkeit, kontexturtheoretisch in Zusammenhang gebracht. Diese Unterscheidung ist von Günther in die philosophische Logik eingeführt worden und läßt sich noch direkter als die Unterscheidung zwischen Reflexions- und Seinsidentität bestimmen:

Subjektivität ist ein Phänomen, das über den logischen Gegensatz des 'Ich als subjektivem Subjekt' und des 'Du als objektivem Subjekt' verteilt ist, wobei beide eine gemeinsame vermittelnde Umwelt haben." (Günther, Bd.II, 1979, 209).

Diese Unterscheidung zwischen Gleichheit und Selbigkeit scheint harmlos zu sein, wenn man sie als partielle Negation auf der unangefochtenen ontologisch-logischen Basis von Identität und Diversität betrachtet. Wird sie aber auf die Identität der Logik selbst angewandt, dann spaltet sich die Einheit der Logik auf und die Notwendigkeit einer Distribution und Vermittlung von Logiken überhaupt entsteht. Nach dem Konzept der partiellen Negationen wäre wieder die klassische relationslogische Grundlage für die Antinomie der Selbstbezüglichkeit eingeführt.

12.3 Selbstbezüglichkeit als Verhalten zur Existenz

Es lassen sich verschiedene Formen der Selbstbezüglichkeit unterscheiden.

Satz bezogene

Kontext bezogene

Architektonik bezogene

Existenz bezogene

Selbstbezüglichkeiten.

Klassisch und am meisten untersucht ist die Satz bezogene Selbstbezüglichkeit, wie sie zur Bildung von Antinomien bevorzugt wird. Etwa "Dieser Satz ist falsch."

Ebenso sind die Kontext bezogenen Selbsbezüglichkeiten wohl bekannt. So wird etwa die Bedeutung eines Satzes kontextbezogen expliziert, der Kontext selbst wird Satz bezogen bestimmt.

Architektonik bezogene Selbstbezüglichkeiten sind weniger bekannt. Sie trete jedoch in der Meta-Zirkulären und reflektionalen Programmierung auf. Ebenso lässt sich die Konzeption der Autopoiese im Gegensatz zur Selbstorganisationstheorie als eher auf die Architektonik des Systems bezogen verstehen.

Es ist also zu unterscheiden zwischen reflektionaler Modellierung als Selbstabbildung im Modus des Wissens (Information) und der Selbstheit als existentiale Positionierung des Daseins in der Welt.

Selbstmodellierung kann mithilfe repräsentionaler Systeme formuliert werden und betrifft das Dasein immer nur partiell. Es lebt in der Dialektik von Vordergund- und Hintergrundthematisierungen, d.h. dem Wechselspiel von lokaler und globaler Selbstthematisierungen. Dieser Prozess lässt sich in einer polykontexturalen Logik abbilden.

Selbstheit als Verortung ist prä-logisch und lässt sich nur im Rahmen keno- und morphogrammatischer Systeme inskribieren.

Die von computerwissenschaftlicher Seite geforderte Transparenz oder gar Selbst-Transparenz eines Systems ist gerade nicht mithilfe informationaler Selbstbezüglichkeiten zu leisten. Eine solche Konzeption der Selbst-Transparenz belastet sich unnötigerweise mit dem Problem der Quantität bzw. Komplexität der Information im Netzwerk ihrer Realisation. Damit ist nicht ausgeschlossen, dass das System die Möglichkeit der Transparenz an beliebiger Lokalität bzw. in beliebigen kontextuellen Geschichten und ihrer Verläufe haben kann.

Wenn Transparenz bedeutet, dass der Ereignisgraph eindeutig rekonstruiert werden kann, dann ist es irrelevant, ob dies repäsentional, bzw. symbolisch oder nicht-repräsentational bzw. non-symbolisch geschieht.

Diese Möglichkeit einer lokal realisierten Transparenz ist als Vermögen nicht informationeller Art, sondern betrifft das System als Ganzes und in seiner Ganzheit. Die Informationstheorie kennt jedoch keinen Begriff der Ganzheit. An ihrer Stelle setzt sie das Konzept des Netzwerkes des Informationsflusses des Systems. Das Netzwerk ist schon nur deshalb keine Ganzheit, weil es keine Umgebung hat, zu der es sich verhalten und abgrenzen könnte. Das Verhalten eines Systems zu sich als zu seiner Existenz" ist ein Modus bzw. erfordert eine Modalität, die informations-logisch der Computerwissenschaft nicht zur Verfügung steht.

Was sagt Paul Dourish zur Problematik der Selbsbezüglichkeit?

"Just as open implementations address problems of connection between system components, we can use the same approach to address the "interface connection" problems. So consider an alternative view of an open implementation's reflective self-representation. Consider it as an "account" that a system component presents of its own activity. Being a self-representation, it is generated from within the component, rather than being imposed or inferred from outside; being reflective, it not only reliably describes the state of the system at any given point, but is also a means to affect that state and control the system's behaviour.

Such an account has a number of important properties. It is an explicit representation-that is, computationally extant and manipulable within the system. It is, crucially, part of the system, rather than simply being a story we might tell about the system from outside, or a view we might impose on its actions. It is a behavioural model, rather than simply a structural one; that is, it tells us how the system acts, dealing with issues of causality, connection and temporal relationships, rather than just how the system's elements are statically related to each other. However, the account itself has structure, based on defined patterns of (behavioural) relationships between the components of the account (perhaps relationships such as precedes, controls, invokes, and so forth).

"There is a tension between the traditional process-oriented view of user interfaces and interaction-interfaces as currently designed-and the view of interface work as the locally-improvised management of contingencies that has been emerging over the past ten years or so."

13 Beispiel einer Existenzialen Fragetechnik

Wiesbaden Januar 2003

Es handelt sich hier um ein Beispiel einer Existenz bezogenen Fragestellung. Die DiamondStrategien werden zur Elizitierung des Selbstbezugs und der Existenzweise des Klienten eingesetzt. Es wird dabei sukzessive von Sach-, zu Personen- und System-Thematiken zur Existenzthematik geleitet.

Ich habe Probleme mit dem Geld, spätestens am 20ten ist immer Ebbe auf meinem Konto.

Was würdest Du verlieren, wenn das Problem gelöst wäre?

Meine Unbekümmertheit beim Ausgeben des Geldes

Das heißt: Dein Problem ist der unbkümmerte Umgang mit Deiner Unbekümmertheit

Der reflexive Gebrauch des Adjektives verhindert die Fokussierung auf das Geld als etwas Objektivem und fokussiert eher in Richtung auf das subjektiv Existentielle

Ja genau.

Wie erlebst Du Dich, während Du unbekümmert dein Geld ausgibst?

Dann fühle ich mich frei und grenzenlos.

Und wie ist dabei Dein Zeitempfinden?

Frage nach der erlebten Zeitlichkeit des Zustandes. Im Gegensatz zur messbaren Zeit des Geldausgebens. Die objektive Zeitlichkeit ist sehr begrenzt, wie z.B. das Bestellen und Bezahlen in wenigen Minuten. Der Klient erlebt jedoch innerlich eine zeitliche Unbegrenztheit.

Ich habe den Eindruck, das könnte immer so weitergehen.

In dieser Antwort des Klienten sind immer noch objektbezogene Elememte der Wiederholung des Gleichen (Kaufen) präsent. Eine potentielle Zukunft wird hier vom Klienten mitgedacht.

Wie erlebst Du dieses Immer Weiter"?

Als irgendwie endlose Dauer

Wie erlebst Du Dich in dieser endlosen Dauer?

Ich fühle mich mittendrin.

Und was passiert dann am zwanzigsten des Monats?

T. fragt hier wieder objektivitätsbezogen

Dann gehe ich in die Askese

Und was gewinnst Du durch das in die Askese gehen

So gewinne ich das Geld, das ich brauche, um es irgendwann wieder sorglos ausgeben zu können.

Könnte man sagen, das die Askese sich um die Möglichkeit der Unbekümmertheit sorgt?

Sowohl ein NLPler als auch ein Deutschlehrer würden diese Frage als fehlgeformt bezeichnen, weil hier die Askese grammatikalisch zum handelnden Subjekt gemacht wird. Korrekt" wäre: Du sorgst Dich um die Möglichkeit der Unbekümmertheit durch asketisches Verhalten. Diese Art des Fragens führt eine Subjekt/Objekt Trennung ein und ist damit zu den personenorientierten Fragen zu rechnen und nicht zu den existenzialanalytischen.

Ja, kann man so sagen.

Und wo bist Du in der Askese?

Mich gibt's da gar nicht

In der Askese gibt's Dich also gar nicht ... und wie ist das in der Mitte der Dauer" ?

Ja eigentlich gibt's mich da auch nicht.

Das heißt, sowohl in der Mitte der Dauer, als auch in der Askese gibt's Dich gar nicht?

Dies entspricht der Diamond Frage: Was ist das gemeinsame der beiden Zustände? Woraus sich Diamondtechnisch die Frage nach dem weder noch" und dem jenseits von A und B" anbietet

Ja genau.

Wer wärst Du, jenseits von Askese und unbekümmerter Dauer?

(Mit Ausdruck des Entsetzens:)

Dann wäre ich mit mir konfrontiert.

In dieser Antwort führt der Klient die Differenz von Ich und Mich ein, die existentialanalytisch nicht (wie im NLP) als Teiledifferenz theamatisiert wird, sondern als die konstituierende Differenz des Selbstbewusstseins in der sich das Dasein auf sich selbst als Existenz bezieht. Diese Differenz ist allen Teile-Konzepten vorrangig, da sie die Differenz eines sich in Teilen begreifenden Selbstes überhaupt erst konstituiert. Indem ich sage: Ich habe Teile" benutze ich bereits die Differenz von Ich und Mich

Können wir sagen, dass Askese und unbekümmerte Dauer die beiden Pole Deiner inneren Möglichkeiten, Dir selbstt aus dem Weg zu gehen, darstellen?

An dieser Stelle

Ja ... Ausnahmsweise ist hier eine geschlossene Frage zulässig, da sie nur konstatiert, nicht jedoch weiterfragt. (Grounding)

An dieser Stelle des therapeutischen Gesprächs eröfffnet sich eine Bifurkation (Gabelung), die zwei unterschiedliche Richtungen ermöglicht.

Ok. Das heißt, wir können entweder nach neuen Formen suchen, wie Du dir selbst aus dem Weg gehen kannst, ohne dadurch Geldprobleme zu bekommen, oder wir können nach Möglichkeiten Ausschau halten wie du dir selbst begenen kannst.

Die erste Möglichkeit wird vielen Therapeuten absurd vorkommen, da es den üblichen Werten widerspricht, einen Klienten dabei zu unterstützen, sich selbst nicht zu begegnen bzw. sich anzunehmen. Diese Werte wie z.B. Selbstakzeptanz, Selbstliebe oder Kongruenz gründen sich auf personenbezogenen Einstellungen.

Obwohl ich Angst davor habe, denke ich, es ist an der Zeit, dass ich lerne mir selbst zu begegnen.

Also wer begegnet hier wem?

Ja ich mir selbst natürlich

Was wurde dadurch möglich, dass du dir selbst ausgewichen bist?

Ich musste meinen Selbsthass nicht spüren.

Es gibt dich also als Hassenden und als Gehassten Im klassischen NLP würde man hier einen hassenswerten Teil sowie einen Teil postulieren, der dafür sorgt, dass dem Klienten der hassenswerte Teil nicht begegnet. Dann würde man nach der positiven Absicht des sich um die Nicht-Selbst-Begegnung sorgenden Teils fragen. Dies würde die vorherige Installation" des Teilemodells voraussetzen.

( Leicht verwirrt:) Irgendwie schon

Also Du als dir selbst Ausweichender schützt dich als dich selbst Hassenden?

Therapeut stellt Klienten in den Raum und lässt ihn zu seinem selbst als Gehassten sagen:

Jaaaa ... Ich hasse dich (als mich)

Also sorgst du dafür, dass du dir selbst nicht begegnest, damit es dich selbst gibt, als der, den es gar nicht gibt? Jetzt stell dich auf deine Position als Gehassten und höre das.

Das merken wir uns - denn diese Beziehung bleibt bestehen; Darummachst Du nun einen Schritt zur Seite in dem Bewußtsein, dass diese erste Beziehung weiter besteht.

Also tue jetzt einen Schritt hier zur Seite und äußere, was du als Gehasster über dich als dich Hasssenden meinst

Du sagst also, damit du dir selbst als von dir Gehasstem nicht begegnen musst, gehst du in die Zustände der Askese und der unbekümmerten Dauer, in denen es dich allerdings nicht gibt. Du hast Angst vor mir

Ja eben, nur wenn es mich nicht gibt, gibt es den Gehassten auch nicht. Ok, hier gibt es also zwei Beziehung, einmal hasst Du dich, einmal hast du Angst vor dir.

Ist also deine Strategie, dich vor deinem Selbsthass zu bewahren, selbst ein Ausdruck deines Selbsthasses?

METAKOMMENTAR:

Hier Selfdiamondisierung mehrere Runden, dann in die Mitte

Die Mitte ist windstill, ruhig und gelassen.

Nächste Runde: Wie wirkt diese Austauschbewegung:

Schwarze Spiegel, die gleichwertig und leer sind, lichte Dunkelheit und dunkle Lichtheit, Ausdehnung und Zusammenziehung.

Das selbst ist die Spiegelung des dunklen Lichts im Geviert der lichten Spiegel.

Nein, natürlich nicht!

Ok, was ist es denn dann?

Fürsorglichkeit

War dir denn bis eben klar, dass du mit dir selbst fürsorlich umgehst?

(Überrascht:)

Nein?! Aber wenn ich wirklich fürgsorglich wäre, würde ich mir ja die Geldsorgen nicht einhandeln.

Ist klar. Mach doch jetz mal folgendes:

Sag doch jetzt nochmal:

Ich hasse mich selbst"

Ich hasse mich selbst"

Ich hasse mich selbst"

(Mich hasse ich selbst"

Mich selbst hasse ich)

(Klient tut es und grinst schräg )

Jetzt sag mal:

Ich liebe mich selbst so sehr, dasss ich mich um mich selbst als von mir Gehassten, sorge.

Klient sagt es

Und jetzt sag mal:

Und dafür hasse ich mich.

... und dafür hasse ich mich ... nee, das stimmt nicht.

Ok, und wenn du dir jetzt selbst ins Gesicht schaust, wie ist es dann?

Ich lächle mich freundlich an.

Und wenn du mit diesem freundlichen Lächeln auf die Askese und die unbekümmerte Dauer schaust, wie ist das?

Als ob ich das beides nicht mehr selbst bin

Das warst du ja auch nie.

Ja das stimmt.

Und wer bist du, wenn du an dich selbst denkst als jemand, der über begrenzte Geldmittel verfügt?

Ich bin nicht mein Geld !

Und wie verändert dein Wissen, dass du nicht dein Geld bist, deinen Umgang mit Geld?

Jetzt kann ich lernen, achtsam mit meinem Geld umzugehen.



ThinkArt Lab

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