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Der Ort des Denkens


1. Forschungsseminar: Die Dekonstruktion des Ichs, seine Entnominalisierung hat uns die Einsicht gebracht, daß nicht das Ich das Denken, sondern das Denken das Ich bestimmt.

Resultate: Rahmenmodell der Weltmodelle, als-Funktion (Ich als Ich, Du, Es usw.), Ich-Du-Konzeption der Subjektivität; Chiasmus als Vermittlungsstruktur.

2. Forschungsseminar: Dekonstruktion des Denkens als Medium des Ich.

Die Logik bestimmt die Formalstruktur des Denkens: PKL und Kenogrammatik.

Denken/Wille.

Denken/Handeln/Fühlen.

Störungen im Kommunikationsmodell.

Die chiastische Darstellung von kognitiven und volitiven Struktur-Prozessen impliziert keine Einschränkung der Modellbildung, sie ist eingebettet in die allgemeine Polykontexturalität und diese ist neutral gegenüber anthropologischer Grundbegrifflichkeiten.

1 Aus dem Flyer: Der Ort des Denkens im NLP

In unserem ersten Forschungsseminar NLP und polykontexturale Logik. Zur Logik der Subjektivität." haben wir gefragt

Von welchem Prozeß ist das Ich die Nominalisierung?"

Wir haben dabei vier grundsätzliche Denkformen als Grundformen des menschlichen In-der-Welt-Seins unterscheiden können.

Erst in der vierten erschien das Ich nicht mehr als extra-mundane und damit unerreichbare Entität als Voraussetzung allen Denkens, Wahrnehmens und Handelns, sondern als mit sich und der Welt vermitteltes Wechselspiel von Grund und Begründetem. Damit ist das Ich keine Entität mehr, sondern ein Prozeß und damit operabel im Sinne von NLP.

In welchem Medium zeigt sich das Ich?

Es ist ein weiterer Aspekt der Entnominalisierung, d.h. der Prozessualisierung des Ich zu erforschen: die Rolle des Denkens (und seiner Logik).

Das Ich ist das Denken als Subjekt." (Hegel)

Das Ich ist nur die Form, wie das Denken existentiell erscheint. Das Denken ist also der Grund des Ichs und nicht wie gewohnt das Produkt des Ichs.

Die Subjektivität ist über den Gegensatz von Ich- und Du-Subjektivität verteilt.

These: Es geht in NLP nicht um das Verhältnis von Denken und Ich, sondern einzig um das (erfolgreiche) Handeln in der Welt.

Denken wird traditionell vergangenheitsgerichtet, das Handeln als zukunftsgerichtet verstanden. Der Prozeß des Denkens selbst kann nicht in Vorstellungsbildern oder in Vorstellungen, d.h. in (VAKOG), dargestellt werden, weil er selbst die Bedingung der Möglichkeit jeder Vorstellung ist. Wahrnehmung und Handeln vollzieht sich im Rahmen einer durch das Denken vorgegebenen Form, seiner Denkform.

Was ist nun unter Denken, dem Denkprozeß zu verstehen, wenn er nicht bloß als eine Reduktion, Abbildung der Wahrnehmung auf das auditiv/digitale System, sondern als eigene Qualität, in seiner Eigenständigkeit betrachtet wird?

Wenn das Ich bzw. das Selbst der Standpunkt bzw. der Ort ist von dem aus VAKOG und SM inszeniert werden, was sind dann die spezifischen Gesetzmäßigkeiten des Ichs selbst, wenn es in seiner Prozessualität untersucht wird?

Das Denken als Denken hat seine eigenen Gesetzmäßigkeiten, die nicht mit denen des Seins identisch sind.

Ich denke etwas", NLP konzentriet sich auf das Etwas und nicht auf das ICH im Denkprozeß und auch nicht auf das DENKEN im Prozeß des Ich.

Vieles bleibt daher in NLP ungeklärt: Wie werden Begriffe gebildet, was tun wir, wenn wir Abstraktionen vornehmen und Klassifikationen erstellen... Reicht es auf die Modellierungsfunktion des Generalisierens und Verzerrens hinzuweisen?

Viele Sprachliche Muster, die sich nicht auf die VAKOG-gefilterten Gegenstände beziehen, sondern auf die Sprache und das Denken selbst und seine Ich/Du-Differenz bleiben dem NLP verborgen. Nach welchen Modalitäten vollziehen sich Positionswechsel?

Logische Argumentationen, ihre Gesetzmäßigkeiten, rhetorische Figuren, die sich nicht auf die Wahrnehmung von Gegenständen, sondern auf das Denken bzw. die Sprache selbst beziehen, wie etwa Metonymie als Gegensatz zur Metapher, Oxymoron, Paradoxie usw. sind in NLP nicht zu finden.

Damit verzichtet NLP - aufgrund der historischen Fixierung auf die Kybernetik, Systemtheorie und Linguistik erster Ordnung - auf einen mächtigen Apparat reflexiver und polylogischer Begrifflichkeiten und Techniken.

NLP bleibt dem Modeling I verhaftet, die Notwendigkeit des Modeling II (Woodsmall) wird kaum erkannt. Das reflexive Verhältnis von Modeling I und Modeling II thematisiert im Modeling III ist noch nicht in den NLP-Focus gelangt.

Wie die Bedeutung eines Satzes generiert wird und wie gar die Bedeutung von Bedeutung" zu verstehen sei, wird zu Mysterium. Words were originally magic." (de Shazer)

Die Unterscheidung zwischen Sagen und Meinen (Oberflächen- und Tiefenstruktur, Wohlgeformtheitskriterien) ist nur dann ein produktiver Ansatz für eine Kommunikationstheorie und Therapie, wenn dieser Unterschied zuvor verdeckt verblieben ist. Das Denken der damit involvierten Hierarchie zu opfern, verhindert entschieden die produktive Weiterentwicklung von NLP.

Effektiver ist es hier das chiastische Spiel von Oberflächen- und Tiefenstruktur zwischen Innen und Außen durchzuspielen und so die restringierenden Hierarchien im NLP aufzubrechen.

Symptome wie Störungen in der logischen Argumentation, Verzicht auf einen freien Sprachgebrauch, sind daher dem NLP zugänglich zu machen.

2 Die Dekonstruktion des Ich im Netz der als-Funktion

Denken und Erkennen

Der radikale Konstruktivismus, sein Vorgänger der kritische Rationalimuas und der logische Konstruktivismus usw. sind allesamt Erkenntnistheorie und nicht Theorien der Denkform. Nicht die Formation des Denkens, sonder die Art und Weise ihrer Erkenntnis sind thematisch.

Denken und Ekennen, Denktheorie und Wissenstheorie, (Epistemologie, Gnoseologie), Denken und Wissen, Logik und Episteme, verdecken sich gegenseitig solange und zu Gunsten des Wahrnehmens, Erkennens und Wissens, wie das Denken selbst als Denkform nicht perspektiviert werden kann. Solange gibt es nur eine Denkform und diese bildet den Möglichkeitsspielraum von Erkennen. Was aber Bedingung von Erkenntnis, nämlich die Denkform, ist, kann nicht selbst Gegenstand des Denkens also Erkenntnis sein. Somit bleibt die Denkform als solche dem Erkennen verborgen. Sie ist ihr blinder Fleck. Diese Erkenntnis ist in vollendeter Form in der Kritik der reinen Vernunft Imanuel Kants dargestellt.

Erst mit Hegel entsteht die Idee einer Perspektivierung der Denkform als solcher. Durch die Idee der verschiedenen Stellungen des Denkens zum Gedanken, durch die Einführung der Positionalität des Denkens wird es möglich, die Form des Denkens selbst zu Denken.

Das Studium der Denkformen betrifft die Art und Weise des Denkens, das Wie des Denkens und nicht das Was. Was gedacht wird, was gedacht werden kann, ist abhängig von der Denkweise, vom Wie des Denkens.

Störungen und Optimierungen können das Was betreffen. Dies ist das Gebiet des bisherigen NLP.

Die Unangemessenheit einer Denkform zu erkennen bzw. zu denken ist die neue Aufgabe des Trans-NLP.

Es ist also eine Typologie der Denkformen zu entwickeln. Klassisch wird unterschieden zwischen archaischen Denkformen kreisförmiger Art (Ewige Wiederkehr des Gleichen) und heilsgeschichtlich auf die Erfüllung eines Zieles (Wahrheit, Friede, Gerechtigkeit, Überfluß) gerichtete lineare Formen (Leisegang): Kreis und Linie, Spirale. Die interne Beschreibung von Denkformen betreffend unterscheidet Formen: Substanz, System, Funktion und Struktur (Rombach).

Eine inadäquate Denkform, die im Denken zu Paradoxien und Antinomien, im Handeln zu selbstdestruktiven Fixierungen und double binds führt, ist die monokontexturale Thematisierung von genuin polykontexturalen Phänomenen und Formen des Denkens.

Kodifiziert wird die Form des Denken in der Logik. Die Logik ist die Lehre der Denkform(en).

Der klassischen, d.h. monokontexturalen Form des Denkens, des Denkens von Etwas, entspircht die aristotelische Logik, d.h. die symbolische oder formale oder mathematische Logik wie sie in den einschlägigen zeitgenössischen Logikbüchern aufzufinden ist.

als-Funktionalität

Das Ich dekonstruiert sich vorerst in seiner als-Funktionalität. Es wird in diesem Schritt der Dekonstruktion in seinen Modalitäten konjugiert, ohne daß es dabei eliminiert wird. Seine Konstituentien bleiben erhalten, werden jedoch in der Proemialisierung ihrer Identität enthoben. Ein weiterer Schritt wäre es, von der Ich-Problematik der PKL-Stufe überzugehen auf die Problematik der Selbstheit des Ich, die in der Morphogrammatik zur Darstellung kommt.

So wie es beobachtbar ist, über welches Rep.System ein Klient sich darstellt, und welche Strategien er wählt, läßt sich auch die Wahlstrategie für die jeweilige als-Funktionalität beobachten bzw. elizitieren. Damit dies gelingt, muß die Frage-Technik des Meta-Modells wesentlich um die Positionalität der Subjektivität, bzw. um die als-Funktion, erweitert werden. Streng genommen wird damit allerdings der Rahmen des Meta-Modells gesprengt.

3 Das Ich im Netz der Differenzen des Selbst

3.1 Die Monadik des Selbst: Vom Ich an sich zum Core Outcome

Zur Erinnerung traditioneller Bestimmungen des Ich im vorkritischen Denken auch der Gegenwart.

Transzendentalphilosophie

Ich schaut sich an in sinnlicher Formung. Der Objektivität sich bewußt zu sein heißt, sich selbst anzuschauen." Reisinger, S. 130)

Hegel: Das Ich als Geist: Das reine Beisichsein des Geistes. Logozentrismus und Homoerotik, Phallogozentrismus (Derrida), Logokratie des Geistes und des Ich.

Schrödinger, Wittgenstein, Husserl, östliche Tradition: Unerkennbarkeit des Ich.

NLP: Core outcome: Einssein.

Psychosynthese: Assagnoli, die Erhabenheit des Selbst als Geist und Leben selbst.

3.2 Zur Dyadik des Selbst als Ich-Es-Beziehung

In der Ich-Es-Relation steht das Ich der Welt, dem Es gegenüber. Es hat Bewußtsein von ihm. Vorstellungen sind Vorstellungen von etwas.Zeichen sind Zeichen für etwas in der Welt. Ein Modell modelliert die Realität, die Sprache ist eine Repräsentation der Realität. Hier gilt die Hierarchie von Gedanke - Vorstellung - Rede - Schrift der Welt.

Diagramm 6

ICH-ES-Rlation

3.3 Zur Triadik des Selbst als Ich-Du-Es-Beziehung

Das Ich ist prädikativ nicht bestimmbar, prädikativ ist nur Objektives bestimmbar; das Ich ist die Bestimmbarkeit des Prädikativen und das Prädikative ist nicht die Bestimmbarkeit des Ich.

Das Ich bestimmt sich, nicht als Singularität, als Ich-Punkt der Subjektivität, sondern als Konnex der Überlagerung, Sedimentierung, historisch genetischer Art, durch das Geflecht der Differenzen, geregelt durch die Multi-Negationalität polykontexturaler Komplexionen.

3.3.1 ICH-DU-ES-Relation der Triadik

Diagramm 7

ICH-DU-ES-Relation

Die Ich-Du-Es-Beziehung als Relationsgefüge zwischen egologischen Entitäten.Diese Beziehung wird so dargestellt und modelliert als wäre das Ganze eine Relation mit ihren vorgegebenen Relata, ihren Relatoren und beide zusammen stellen die Relation zwischen Ich, Du und Es dar. Die Relatoren sind hier zweistellig. D.h. das Ich bezieht sich auf das Du und zugleich auf das Es, zwischen dem Ich und dem Du besteht eine Umtauschbeziehung, das Verhältnis zwischen Ich und Du ist symmetrisch, dagegen ist das Verhältnis zwischen Ich und Es asymmetrisch. Das Ich steht also in einer doppelten Relation zum Nicht-Ich, einmal zum Es und einmal zum Du.

Was bedeuten die Relationen zwischen Ich Du und Es? Ich Du und Es sind im Relationalen Modell als Relata bzw. als Entitäten 'vorgegeben'. Wie wird die Relation zwischen den Relata interpretiert?

Die Relation Ich-Es kognitiv, die Relation Ich-Du ist als gegenseitige Anerkennung des Anderen, die Relation Du-Es ist als beobachtbare Handlung in der Welt interpretierbar. D.h. daß die Anerkennung von Ich und Du als Relation interpretiert die Relata als Ich und Du möglich macht.In der sozialen Handlung wird die Differenz von Du und Es generiert. Ebenso ist Erkenntnis nur möglich als Relation zwischen den Relata Ich und Es. Gewiß ist auch in der Relation Ich-Du Erkenntnis im Spiel, doch nicht direkt, sondern in der Form von Anerkennung als Erkenntnis. In der kognitiven Relation gilt gewiß auch die Beziehung der Erkenntnis der Anerkennung wie auch in der dialogischen Situation die Anerkennung der Erkenntnis gilt.

3.3.2 Die ICH-DU-ES-Funktionalität

Diagramm 8

ICH-DU-ES-Funktionalität

Die Ich-Du-Es-Beziehung als funktionale Bestimmung nicht-identitiver, d.h. überdeterminierter Zusammenhänge.

Hier werden die Relata Ich, Du und Es des Ich-Du-Es-Relationsmodells selbst als Beziehungen, als Relationen bezüglich der Objektivität und Subjektivität verstanden. Zu sagen, Subjektivität sei über Ich-Subjektivität und Du-Subjektivität verteilt, impliziert die Paradoxie, daß Teile das Ganze bestimmen.

Beide Formulierungen, die Betonung der Relata und die Betonung der Relatoren sind zueinander dual, wie die Dualität zwischen Kanten und Knoten des Relationsgraphen.

Es werden bei dieser Dualität sprachliche Härten eingeführt, die selbst in Heideggers Destruktion der abendländischen Ontologie keinen Ort gefunden haben.

Weil das Ichsein im Unterschied vom Dusein gar nicht das Wesen des Daseins trifft, d.h. weil ein Du ein solches nur ist qua es selbst, und ebenso auch das 'Ich'. Daher gebrauche ich meist für die metaphysische Ichheit, für die Egoität den Ausdruck Selbstheit. Denn das 'selbst' kann vom Ich und Du in gleicher Weise ausgesagt werden: 'Ich-selbst', 'Du-selbst', aber nicht 'Du-ich'." (MAgLL, 242)

Bei Günther erscheint zumindest auf der Ebene der Reflexionslogik sehr wohl ein 'Ich-du' als 'subjektiven Subjekt' und ein 'Ich-es' als 'objektives Subjekt' und ein 'Es-es' als 'objektives Objekt' - ganz im Widerstreit zum natürlichen Sprachgebrauch, common sense, in schüchternem Gebrauch von Pleonasmus und Oxymoron (das Scharfdumme", gr.).

Eine Subjekttheorie des NLP läßt sich offenbar nicht nach den Wohlgeformtheitskriterien des Meta-Modells formulieren. Da andererseits im Milton-Modell, das gewißermaßen ein zum Meta-Modell duales Modell des Sprachgebrauchs darstellt, paradoxale Formulierung nicht Wesenskern des Modells gehören, scheint die PKL-Theorie-Sprache außerhalb beider Modell angesiedelt zu sein.

Damit ist über den Status der Selbstheit nichts entschieden, diese hat ihren eigentlichen Ort in der negationsinvarianten Morphogrammatik.

3.3.3 Die ICH-DU-ES-Fundierungsstruktur

Diagramm 9

ICH-DU-ES-Fundierungsstruktur

Die Ich-Du-Es-Beziehung als funktional fundierter Zusammenhang überdeterminierter Funktionen. D.h. was als Ich, Du und Es fungiert wird vom jeweiligen Standpunkt der Fundierung bestimmt. Das ICH ist eine Funktion bzw. Differenz zwischen dem Subjekt als subjektivem und dem Subjekt als objektivem betrachtet vom Standpunkt bzw. begründet (fundiert) vom Standpunkt des objektiven Objekts.

Durch die Fundierungsrelation wird die Differenz zwischen Relatum und Relation geregelt und dargestellt. D.h. es wird eine neue Differenz eingeführt, nämlich zwischen Relatum und Relation, ausführlicher zwischen Relatum und (Relatum und Relator). Womit die symmetrische Dualität von Relator und Relatum einer Relation in eine Asymmetrie geholt wird.

Die Relation bzw. Differenz DU als Differenz von objektivem Subjekt und objektivem Objekt wird fundiert durch das subjektive Subjekt.

DU wird fundiert durch das subjektives Subjekt

ICH wird fundiert durch das objektives Objekt

ES wird fundiert durch das objektives Subjekt.

Diagramm 10

Inversion der ICH-DU-ES-Fundierungsstruktur

Die Inversion der Fundierungsrelation ist bei Günther nicht formuliert. Hier würden die Relata durch die Relationen fundiert und nicht die Relationen durch die Relata.

Die Relation bzw. Differenz DU als Differenz von objektivem Subjekt und objektivem Objekt fundiert das subjektive Subjekt SUBJEKTsubjektive .

DU fundiert subjektives Subjekt

ICH fundiert objektives Objekt

ES fundiert objektives Subjekt.

Die beiden Fundierungsfunktionen, die objektionale und die relationale, sind zueinander dual.

Hierhin gehört meiner Ansicht nach - zumindest vorerst - auch die Differenz in der Auffassung des Sozialen zwischen Peter Hejl und Niklas Luhmann. Hejl betont die Menschen (= Knoten) als Elemente, Luhmann die Kommunikationen (= Kanten) als Elemente des sozialen Systems. Die gegenseitige Verblendung kann nun darin bestehen, daß für dyadisch konzipierte Systeme ein Streit (eine Kante vs. zwei Knoten), für triadische eine Verwirrung möglich ist, da einzig für den triadischen Fall die Anzahl der Knoten und der Kanten gleich ist. Für tetradisch (und allg. n>4) bzw. chiastisch konzipierte Systeme, die in der Literatur allerdings nur sehr selten zum Auftritt gelangen, ist die Anzahl der Kanten (=Relationen, Funktoren usw.) größer als die Anzahl der Knoten (=Objekte, Elemente, Operanden usw.), nämlich n-Knoten < n(n-1)/2-Kanten.

3.3.4 Iteration und Verkettung der Fundierungsrelationen

Eine weitere Einsicht in die Fundierungszusammenhänge der Subjektivität wird bei der Iteration der Modelle erreicht.

Diagramm 11

Komplexionen der Fundierung

Die Subjektivität, verstanden als Selbst, ist eine Komplexion objektional fundierter und fundierender Morphismen zwischen ambiguen Objekten.

Das Ich ist keine Entität, sondern die Differenz zwischen subjektivem Subjekt und objektivem Subjekt einerseits und der Differenz zwischen dem subjektiven Subjekt und dem objektiven Objekt.Das Ich ist somit eine Nominalisierung, Vergegenständlichung, Verdinglichung von funktionalen Zusammenhängen, von kategorialen Differenzen. Das Ich ist dihairetisch nicht ableitbar, es gibt keinen Baum des Ich. Das Ich ist ein temporärer Brennpunkt, ein Focus in einem komplexen Netz von Differenzen eines multi-negationalen Systems. Ich-Du-Es ist das elementarste multi-differentielle System der Subjektivität.

Die differenzentheoretische und die relationale Sprechweise koinzidieren in der Situation der Dreiheit, hier ist die Anzahl der Kanten, interpretiert als Differenzen gleich der Anzahl der Relata interpretiert als die Instanzen Ich, Du und Es. Die beiden Sprechweisen verdecken sich ihre Unterschiedlichkeit.

3.4 Zur Tetradik der Ich-Du-Es-Beziehung

Von der Singularität des DU zu seiner Pluralität. Das Du wurde auch im triadischen Modell als plural gedacht, doch die Modellierung betraf einzig die Relation zwischen Ich und Du, d.h. die Ich-Du-Beziehung als symmetrischer im Gegensatz zur Ich-Es-Relation als asymmetrischer Relation. Die Vielheit des Du wurde im triadischen Modell nicht abgebildet. Daß das Ich simultan als Du und das Du simultan als Ich fungiert, ist erst in der Tetrade darstellbar. Dieser Ich-Du-Wechsel spielt sich nicht auf einer informationellen oder epistemischen Ebene ab, sondern einzig auf Grundlage einer Strukturschicht morphogrammatischer Art. Nicht Information und Wissen regeln den Wechsel von Du und Ich, sondern Raumung/Zeitigung durch die kenomischen Orte, die Du und Ich als Informationsträger (früher hieß es 'Charaktermasken' (Marx)) einnehmen. Die Kenomik erfaßt also die 'Selbstheit' von Ich und Du und ermöglicht so überhaupt erst die Kommunikation der beiden. Für die Second Order Cybernetics und ihre Systemtheorie bleibt es dabei, daß Ich und Du bloße Funktionsträger sind, daher nivelliert sich auch der Unterschied von Ich und Du eben zur Bestimmung des Ich als Funktionsträger.

Diagramm 12

Relational

M.a.W. es gilt den unendlichen Iterationsprozeß der Beobachtung - wie er im Konstruktivismus notwendigerweise auftaucht - zu hinterfragen. D.h. der unendlichen Iterationsprozeß der Beobachtung wir dadurch 'zum Stoppen' gebracht, daß die Beschränktheit seiner Argumentationsfigur aufgedeckt wird. Gelingt dies, so ist damit ein definitives und strukturelles Kriterium zur Unterscheidung der PKL vom radikalen Konstruktivismus bzw. von der Second Order Cybernetics gegeben.

Die Iteration begründet sich in der informationellen Iteration der Beobachtung. Information ist unbegrenzt vermehrbar - so schon die natürlichen Zahlen als beobachtbare Entitäten - und daher ist der Prozeß der Beobachtung beliebig auf sich selbst anwendbar. Daß dabei immer nur Information gewonnen wird und somit innerhalb einer Kategorie bzw. Kontextur verharrt wird, bleibt diesem der Information verpflichteten Denken verborgen.

Diagramm 13

ICH-DU-ES-Funktionalität

4 Kontextlogik von ICH und NICHT-ICH (Fichte, Günther, Baldus)

Das Ich setzt schlechthin sich selbst." (Henrich) Dagegen ist bei Fichte die komplexe gegenseitige Setzung von Ich und Nicht-Ich dargestellt. Die abstrakteste Bestimmung des Ich und seine Einbettung in das Denken des Ich leistet der Chiasmus bzw. die Heliktik (Helix, Ranke) von Ich und Nicht-Ich.

Das Ich wird hier so verstanden, daß es sich setzt als die Differenz von Ich und Nicht-Ich. Das Ich, das sich als Unterschied von sich selbst und dem Anderen, dem Nicht-Ich setzt, erscheint doppelt (Duplizität des Ich) und paradox. Erst wird der Gegensatz von Ich und Nicht-Ich gesetzt. Dann wird dieser Gegensatz verteilt und vermittelt. Damit ist das objekt-theoretische" Bewußtsein bzw. Denken beruhigt, der Gegensatz ist aufgehoben. Das subjekt-theoretische" Bewußtsein bzw. Denken bleibt enttäuscht und verlangt nach einer Vermittlung der Verteilung und Vermittlung. Auch dies ist dem Denken nicht verschlossen.Die Vermittlung der Verteilung und Vermittlung erzeugt erneut eine Entäuschung, die aufgehoben werden muß. Damit entsteht die der Stufengang bzw. die Heliktik der Vermittlungsschritte: Ich vermittelt Ich und Nich-Ich, Vermittlung vermittelt Verteilung (Distribution) und Vermittlung, usw.

Das Ich erweist sich als ein in sich gespaltenes, jegliche singuläre Einheitlichkeit und transzendentale Punktualität ist dem Ich auch schon in seinem abstraktesten Gegensatz von Ich und Nicht-Ich verwehrt. Auch in dem abstraktesten Fichte-Satz Ich = Ich ist der Gegensatz von Ich und Nicht-Ich mitgesetzt Ich = Nicht-Ich.

Diese Sprechweisen lassen sich wiederholen durch die Unterscheidung von Objekt- und Metasprache oder auch use/mention bei der Einführung von Ich und Nicht-Ich.

Obwohl in der deutschen Rezeption nicht erkannt, ist die Position Fichtes (Johann Gottlieb Fichte, Wissenschaftslehre 1794/95) grundlegend für das Konzept des Observers in George Spencer Browns Laws of Form und den entsprechenden Gedankenskizzen Glanvilles in Objekte. Die Duplizität des Ich zeigt und verdeckt sich dort in der Unterscheidung von distinction (mark) und indication (value) bzw. von internem und externem Observer, und letztlich darin, daß der Observer, der unterscheidet und markiert, sich am Ende - allerdings nach einem infiniten Durchgang - selbst als Marke und Markierung erscheint.

4.1 Kontextwertlogik

Dargestellt als Chiasmus von ICH und NICHT-ICH erscheint das ICH als fundiert durch das NICHT-ICH und umgekehrt.

Der Mechanismus dieser Fundierung läßt sich funktional modellieren in der Kontextwertlogik (Günther 1968, Kaehr 1978, Kaehr/Grochowiak 1975, Grochowiak 1976, Baldus 1982. Mehr Literatur gibt es direkt zu diesem Thema wohl kaum. Mathematisch handelt es sich um Quasigruppen und Lateinische Quadrate.)

Diagramm 14

Kontextlogik von ICH und NICHT-ICH
Diagramm 15

Formale Darstellung

Vom Ich aus thematisiert bzw. unterschieden gilt die Unterscheidung Ich-Nicht-Ich, vom Nicht-Ich aus unterschieden gilt dann simultan die Unterscheidung Ich-Nicht-Ich invers, also Nicht-Ich-Ich.

Was sich für mich auf der rechten Seite befindet, befindet sich von ihm aus mir gegenüber auf der linken Seite - und umgekehrt. Der Standpunkt der Unterscheidung wird hier als solcher bzw. als Drittes noch nicht eingeführt, sondern wird mit einer jeweiligen Seite selbst identifiziert. Standpunkt der Unterscheidung (von rechts und links, Ich und Nicht-Ich) und Unterschiedenes (rechts, links bzw. Ich, Nicht-Ich) fallen hier zusammen.

Es wird zweierlei Funktionalitäten unterschieden: 1. Das Ich bzw. Nicht-Ich als Standpunkt von dem aus unterschieden wird und 2. die Unterscheidung selbst zwischen Ich und Nicht-Ich, die unterschieden wird. Der Standpunkt der Unterscheidung, der konkret jeweils einer der unterschiedenen Zustände bzw. Objekte darstellt, nimmt die Rolle der Metasprache, der Konstruktionssprache ein und das Unterschiedene, die Variable mit ihren ersten und Operatoren spielt dabei die Rolle der Objektsprache.

Zwischen Metasprache und Objektsprache besteht eine Ordnungsbeziehung, diese wird umgekehrt dadurch, daß nun die Metasprache in der Rolle der Objektsprache erscheint und die Objektsprache in der Rolle der Metasprache und damit diese objektsprachlich fundiert.

Die beiden getrennten und zueinander inversen Deskriptions- und Konstruktionsprozesse bleiben nun nicht isoliert nebeneinander, sondern werden kontextlogisch vermittelt bzgl. der operational angepaßten Gleichheiten der als Objekte fungierenden Werte. Was vom Standpunkt der Objektsprache als ein Objekt erscheint, erscheint vom inversen Standpunkt der Metasprach nicht als das selbe sondern einzig als das gleiche Objekt. Und in dieser Gleichheit, die die Diversität von Meta- bzw. Konstruktionssprache und Objektsprache involviert.

Das Ganze erscheint also als ein Chiasmus von Ich, Nicht-Ich, Konstruktions- und Deskriptionssprache bzw. zwischen [Ich, Nicht-Ich, Variable, Konstante].

Damit wird die paradoxe Sprechweise, daß das Ich Ich und Nicht-Ich unterscheidet, anders daß der Observer unterscheidet zwischen dem Observer und dem Observierten. Das Objekt, das sowohl Subjekt wie Objekt ist, ist nicht mit sich identisch und dadurch antinomisch, sondern in sich im Modus der Gleichheit vermittelt.

Diagramm 16

ICH - NICHT-ICH - Chiasmus

Vom Standpunkt des Ichs erscheint das Ich als Ich und das Nicht-Ich als Nicht-Ich unter dieser Annahme erscheint vom Standpunkt des Nicht-Ich das Ich als Nicht-Ich und das Nicht-Ich als Ich.

Diagramm 17

Funktionale Darstellung

4.2 Das Ich als Ich = Ich und als Ich = Nicht-Ich

Claus Baldus extrahiert die Bestimmungen des Ich bei Fichte folgendermaßen.

Das Ich als Ich: Das Ich soll unendlich sich selbst setzen."

Das Ich als Nicht-Ich: Das Ich soll sich im Nicht-Ich entgegnen und sich damit endlich setzen."

(a) Das Ich setzt das Nicht-Ich als beschränkt durch das Ich.

(b) Das Ich setzt sich selbst als beschränkt durch das Nicht-Ich.

(c) Das Ich setzt sich als bestimmt durch das Nicht-Ich.

Nach der Anweisung des Satzes soll zum einen das Nicht-Ich das Ich bestimmen, ihm Grenzen setzen: das Ich setzt sich als bestimmt durch das Nicht-Ich; zum anderen soll nicht das Nicht-Ich das Ich, sondern das Ich sich selbst bestimmen: das Ich setzt sich als durch das Nicht-Ich.

(ba) Das Nicht-Ich bestimmt (tätig) das Ich, welches insofern leidend ist.

(bb) Das Ich bestimmt sich durch die Tätigkeit selbst.

Diese beiden Sätze widersprechen einander.

(bc) So viele Teile der Negation das Ich in sich setzt, so viele Teile der Realität setzt es in das Nicht-Ich; welche Realität in dem entgegengesetzten die Realität in ihm aufhebt. Durch die Bestimmung der Realität oder Negation des Ichs wird zugleich die Negation oder Realität des Nicht-Ich bestimmt, und umgekehrt.

(baa) Das Nicht-Ich hat in sich selbst Realität.

(bab) Das Nicht-Ich hat in sich keine Realität.

Es gilt di e Wechselbestimmung:

(bac) Das Nicht-Ich hat als solches, an sich genommen, gar keine Realität; es hat nur Realität, insofern das Ich leidet.

In dieser Synthese tritt das Nicht-Ich als das Tätige auf, das Ich als das Bewirkte.

(bba) Das Ich ist das Bestimmende, also tätig.

(bbb) Das Ich ist das was bestimmt wird, also leidend.

(Claus Baldus, Paritives und Distriktives Setzen, Meiner Hamburg 1982)

Wird die bloße Entgegensetzung von Klient und Therapeut betrachtet, so wiederholen sich hier die Bestimmungen von Ich und Nicht-Ich. Das Nicht-Ich bzw. das Ich des Klienten, erscheint dem Ich des Therapeuten als bloßes Ereignis in der Welt, d.h. als Nicht-Ich. Der Klient erscheint hier nicht als Du einer dialogischen oder interaktionalen Beziehung, sondern einzig und allein als Differenz zum Klienten als Ich.

Der Unterschied, der hier einen Unterschied macht ist bar jeglicher Komplexität.

5 Ich und Du als Opponent und Proponent

Die Unterscheidung von Ich als 'subjektives Subjekt' und Du als 'objektives Subjekt' läßt sich interpretieren als Unterscheidung von Opponent und Proponent eines Dialogs (Streitgesprächs) bzgl. einer vom Proponenten gesetzten Proposition (verstanden als Es). Da im Dialog Proponent und Opponent alternierend - und nie zugleich simultan, d.h. kooperierend - am Zug sind, lassen sie sich auch als 'innerer' Dialog von denkendem und gedachtem Subjekt verstehen und so in Zusammenhang mit der Duplizität des Ich im Sinne Fichtes bringen. Bekanntlich geht es im Dialog um die von den Dialogpartnern unabhängige Wahrheit einer Aussage und nicht um die Wahrheit relativ zu den Dialogpartnern.

Die dialogische Begründung der arithmetischen Induktion gilt hier als ausgezeichnetes Modell, die dialogische Iterativität und ihre Nicht-Abschließbarkeit zu demonstrieren.

(Paul Lorenzen)

(GG 1965...)

Der Beobachter, die Instanz oder das Subjekt, das diese Iterativität als Iterativität faßt, ist selbst nicht Glied dieser Iterationskette.

Wie ist das möglich?

6 Das ICH als Relationsgefüge in der Theorie lebender Systeme (H. v. Foerster)

Der Standort von dem aus ein Subjekt die Welt beschreibt hat keine Eigenschaften (Properties) wie das Objekt welche hat. Daher ist es eine Verdinglichung, wenn nun die Properties des Subjekts beschrieben werden sollen an stelle des Objekts. Gewiß ist es eine erste Umkehr, die aber schon in der klassischen ersten Form der Kybernetik geben war, da diese von jedem konkreten Substrat der Untersuchung und Konstruktiuon abgesehen hat. Denken und Erkennen im kybernetischen Modell" (Stachowiak)war eine Arbeit in diese Richtung.

Zitat HvF/Varela

7 NLP des Ich: Iterationen der Spiegelung am Beispiel des Meta-Mirror

Das Meta-Mirror-Konzept von Dilts involviert eine unendlichen Iteration der Spiegelung. Es gibt nacht Dilts - aber auch in anderen z.B. systemtheretischen Ansätzen - kein Kriterium für einen Abschluß außer der rein empirisch begründeten Dezision. Von der unendlichen Vielfalt werden drei bis vier Stufen ausgewählt. Daß sich hier ein theoretisches Problem verbirgt, das auch Auswirkung auf die Praxis hat, wird nicht gesehen. Die Tatsache, daß sich die Iteration nicht abschliessen läßt, bedeutet, daß eine Selbstapplikation prinzipiell ausgeschlossen ist.

Die alltägliche Situation, daß die zu therapierende Störung sich in der therapeutischen Situation als Kommunikationsstörung wiederholt, ist nicht therapierbar, da sie sich auf jeder neuen Supervisionsstufe ad infinitum wiederholt. Es kann davon ausgegangen werden, das selbstbezüglich Strukturen gegenüber fremdbezüglichen in der menschlichen Kommunikation und Therapie die Mehrzahl darstellen.

Diagramm 18

Meta-Mirror-Konzept im NLP

Auf jeder Iterations-Stufe der Beobachtung wiederholt sich der logisch-methodologische Apparat der Beobachtung. Jede Stufe ist zu ihrer Vorgänger- und Nachfolger-Stufe disjunkt. Außer der Stufung gibt es zwischen den Stufen keinen Zusammenhang.

Es stellt sich die Frage, wie weit ein solches Konzept der Reflexion psychologisch äquivalent und intuitiv ist.

Vom Standpunkt der PKL sind die verschiedenen Reflexionsstufen nicht nur voneinander verschieden, sondern auch miteinander vermittelt. Das besagt, daß nicht jede beliebige logische Funktion zwischen den Stufen vermittelbar ist. Damit das Ganze eine Komplexion darstellt, müssen Vermittlungsbedingungen erfüllt sein.

Hier stellt sich wiederum die Frage nach der psychologischen Adäquatheit und Plausibilität.

8 Das Ich zwischen Normalität und Wahnsinn (Günther/Mitterauer/Prinz)

Mitterauer hat in einer etwas langgeratenen Reihe von Aufsätzen in den 70er Jahren die Güntherschen Reflexionsrelationen auf die Grundunterscheidungen der Psychoanalyse übertragen und damit einige Klärungen und Erweiterungen, die in seiner Logik des Wahns" gipfelten, eingeführt.

Ich als Ich: Selbstreferenz

Ich als Es: Autoreferenz

Ich als Du: Heteroreferenz

Mitterauer (S. 71 ff.) führt folgende Sprechweise ein

1 = Ich = Ss

2 = Es = O

3 = Du = So

4 = Vermittlung = R

Weiterhin unterscheidet er bei den 24 Permutationen der 4 Werte vier Operatoren der Selbstreferenz:

Diagramm 19

Der volitive Operator der Selbst-Akzeption (S-A)

9 Das Ich als Selbst in der sprachanalytisch-hermeneutische Bestimmung (Tugendhat)

hier - dort

ich - du/er

Tugendhat hat eine fundamentale und weitreichende Entnominalisierung basaler Sprechweisen und Sprechformen vorgenommen.

Prädikation

Die Prädikation wird von der ontologischen Verknüpfung von Entitäten befreit zu Gunsten einer Handlung des Charakterisierens.

Logische Konstanten bzw. Negation und Junktionen.

Entsprechend werden logische Konstanten bzgl ihrer Wahrheitsbedingungen auf Handlungen zurückgeführt. Der Platonismus von Frege weicht einem Konstruktivismus etwa Lorenzens.

Die Rückführung auf Handlung verhindert bzw. löst noch nicht ein einen Begriff von Handlung zu entwickeln. Der Hinweis auf lehr- und lernbare Handlungsschemata verschiebt die Problematik der Konzeptionalisierung von Handlung ins Leere. Denn die gelungenen Handlungen brauchen keine Metasprache zu ihrer Rechtfertigung.

Diese Verstehen aber drückt sich nicht in irgendeiner Metasprache aus - welche sollte das denn sein? - sondern einzig darin, daß der Junge nun seinerseits die und"- und oder"-Sätze in derselben Weise verwendet." (Tugendhat, 307)

Das Verstehen bleibt damit ein noch so entnominalisierter Akt der Introszendenz, ein einsichtiges Verstehen, ein Verständnis. Das Spiel hat seine Grenzen dort, wo sich die Lehr- und Lernsituation nicht mehr auf vernunftbegate Lebewesen bezieht, sondern diese erst konstruiert werden müssen, also in der AI- und AL-Forschung. Hier ist eine weitere Theoretisierung erforderlich, die allerdings nicht notwendigerweise die Form eine Metasprache haben muß.

9.1 Sprachanlytisch-formale Bestimmung des Ich (Hector Castaneda)

Die wichtigsten Grundverhältnisse zur Bestimmung des Ich. Hier wird das Ich als eine Komplexion von Unterscheidungen bzw. Differenzen eingeführt. Der Gebrauch des Wortes Differenz" wird dabei zumindest der Intention nach im Sinne der Semiologie F. de Saussures versucht. Das Ich als Komplexion von Differenzen und Negationen zu verstehen ist als Dekonstruktion verdinglichender Modellierungen zu verstehen. Jede Differenz ist ein Ich-Strang und eröffnet damit einen Bereich des Thematisierens.

Das Netzwerk der Negativitäten, d.h. Unterscheidungen, die die Ich-Stränge bilden, faßt Castaneda wie folgt zusammen:

Diagramm 20

Castanedas Kontraste

Diese Liste der Ich-Stränge ist nicht vollständig, kann aber schon eine Handhabe bei der Wahrnehmung, Elizitierung und Klassifikation von Ich-Störungen anbieten.

9.2 Das Ich im Feld sozialer Interaktionen (Herbert Mead, Piaget)

Hier wird das Nicht-Ich als Gesellschaft verstanden. Damit bleibt es im Dualismus befangen.

Piaget

Ob gesellschaftlich vermittelt oder durch die individuelle Entwicklung entstanden oder künstlich hergestellt, wenn mit bloß zwei Grundbegriffen gearbeitet wird, verbleibt die Konstruktion im Dualismus.

9.3 Das ICH im Feld epistemischer Operatoren des NLP (Klaus Grochowiak)

Eine Bestimmung bzw. besser: die Erfahrung des Ich erfolgt über die intuitive Anwendung epistemischer Operatoren insb. der Modalitäten.

Ich behaupte, daß X.

Ich weiß, daß X.

Ich glaube, daß X.

Ich zweifle, daß X.

Ich meine, daß X.

Iteration, Superposition, Permutation

(A) Ich zweifle, daß X.

Ich zweifle nicht, daß X.

Ich zweifle, daß nicht X.

Ich zweifle nicht, daß nicht X.

(B) Ich zweifle, daß X. X = Ich zweifle, daß X."

Ich zweifle, daß Ich zweifle, daß Ich zweifle, daß Ich zweifle, daß .... X.

Die Iteration erzeugt eine Suggestion des Verlusts des Objekts X. Das Objekt wird durch die Iterationen immer wieder nach aussen verschoben und da der Prozeß nicht zum Stillstand kommt, ist das Objekt nicht mehr endlich charakterisierbar. Es bleibt nur noch der Operator als Subjekt. Das Objekt wird hiermit zum Subjekt.

Linguistik - kinesthätische Wahrnehmung - epistemische Logik

Diagramm 21

Modellierung epistemischer Operatoren

Bestimmung der Submodalitäten der epistemischen Zustände.

Permutation der Submodalitäten.

Die SM des Zweifels werden die SM des Glaubens und umgekehrt.

Positionierung des Ichs als Beobachter außerhalb dieser Permutationen.

Frage: wer bin ich nun wirklich? Unabhängig von den SM?

Diagramm 22

Zweifel und Glauben

Diagramm 23

Das Ich außerhalb seiner Modalitäten

Die Regeln des Übergangs werden nicht formuliert. Durch die Instruktion des Therapeuten wird der Übergang vollzogen von a) Ich zweifle, daß X." zu b) Ich glaube, daß X." und der Position Ich beobachte, daß a) und b)." bzw. ich stelle mich zwischen a) und b)".

Es gibt jedoch keine Kontrollmöglichkeit für den Wechsel und das Heraustreten. Denn der Mechanismus für den Wechsel und das Heraustreten wird nicht angegeben. Der einzige Rekurs ist die Interpretation der Physiologie des Klienten - und die gibt trotz ihrer Wichtigkeit wenig Garantie dafür, daß der Anweisung entsprochen wurde. Das Erlebnis allein - mag es noch so emphatisch erscheinen - ist nur ein Teilaspekt des Exerzitiums und keine Entsprechung des Modells.

Nach den Regeln der epistemischen Logik wären Übergänge zwischen Glauben und Zweifel über die Negation definierbar.

Zweifel, daß X äq. non Glauben, daß X.

non Zweifel, daß X äq. Glauben, daß X.

oder:

non Zweifel, daß non X aq. Glauben, daß X.

Die Übergänge würden jedoch mittels der Negation geregelt und nicht durch irgend einen transklassischen Operator wie den Chiasmus oder die Transjunktion. Wieweit sich die Negationsregeln mit der Permutation der Submodalitäten deckt, müßte noch untersucht werden.

Die Dominanz der Negation bedeutet, daß das Ich als Operator die Situation im griff hat und keine Möglichkeit entstehen läßt sich selbst zu beobacheten. Das Ich bleibt der Operator und verdeckt sich dabei selbst jeglicher Beobachtung.

10 Zur Logik der Personalpronomina als Entnominalisierungstrategie

Auf Batesons Frage was das Ich" sei und warum es nicht entnominalisiert werden soll, antworteten Bandler und Grinder mit linguistischer Spitzfindigkeit: Das Ich ist ein Personalpronomen. Später entschuldigen sie sich dafür. (?? WO??)

Nichtsdestotrotz läßt sich eine Entnominalisierung des Ich verstehen als Bildung von Differenzen im Bereich der Pronomina. Das Ich ist dann zwar kein Pronomen, sondern der Prozeß des Differenzierens. Der Günthersche Ansatz ist weitgehend eine Grammatik der Personalpronomina Ich, Du, Es. Diese wird bis in ihre letzten Möglichkeiten ausgeschöpft und in der Bildung paradoxer Verknüpfungen, die jeglicher Grammatik widersprechen, ad absurdum geführt. Damit wird der Kritik, Günther setze naive Chunks wie Subjekt und Objekt, Ich und Du voraus, jede Basis entzogen.

11 Fragetechniken (2003)

Nach dem oben vorgestellten theoretischen Abriss der Subjektivitätskonstruktionen (1995) fragt es sich, wie eine Operationalisierung dieser Modelle in Richtung auf lehr- und lernbare Fragetechniken vollzogen werden kann. Es ist allerdings zu beachten, dass die Modelle primär Aufschluss auf die Struktur des Selbst des Subjekts geben und noch nicht auf seine Existenz bzw. seine Selbstheit, die vor der Unterscheidung von subjektivem Subjekt und objektivem Subjekt bzw. von Subjekt und Objekt steht.



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